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Stonehenge: Archäologie eines Monuments und seiner Landschaft

Stonehenge in Wiltshire ist das bekannteste prähistorische Monument der Welt. Es steht im Zentrum einer intensiven und andauernden wissenschaftlichen Debatte: Wer baute es? Wie? Wozu? Und: Was haben die neueren Forschungen verändert? Stonehenge ist auf der interaktiven Karte der Plattform eingetragen. Die Antworten auf diese Fragen sind weit differenzierter als populäre Darstellungen vermuten lassen.

Nicht ein Bauwerk, sondern eine Baugeschichte

Stonehenge ist kein einmaliges Bauwerk, sondern das Ergebnis von mindestens vier Hauptbauphasen über mehr als 1500 Jahre:

Phase 1 (ca. 3000 v. Chr.): Kreisgraben und -wall aus Kreide, 56 Aubrey-Holes (Gruben mit Kremationsgräbern) — eine Kremsationsanlage für die regionale Elite.

Phase 2 (ca. 2900–2600 v. Chr.): Intensivere Nutzung für Kremationen; hölzerne Pfostenanlagen im Inneren.

Phase 3a (ca. 2600–2400 v. Chr.): Erste Steinphase — die Blausteine (80 Stück, bis zu 4 Tonnen) werden aus den Preseli Hills in Pembrokeshire, Wales, über mehr als 200 Kilometer transportiert und in einem Doppelkreis aufgestellt.

Phase 3b (ca. 2500 v. Chr.): Die massiven Sarsen-Steine (Sandstein, bis zu 25 Tonnen) aus Marlborough Downs (25 km entfernt) werden in die heutige Trilithon- Horseshoe und Outer Circle-Anordnung aufgestellt. Dies ist die Phase, die das heutige Bild dominiert.

Phasen 3c–3e (ca. 2100–1500 v. Chr.): Umordnungen der Blausteine, neue Ausrichtungen.

Der Blausteine-Transport: neue Erkenntnisse

Die Herkunft der Blausteine — Doleritsteine und Rhyolite aus den Preseli Hills — wurde durch Petrographie und Isotopenanalyse seit den 1920er Jahren diskutiert. 2019 identifizierte ein Team unter Mike Parker Pearson die exakten Herkunftsquellen: die Felsvorsprünge Carn Goedog und Crymych in Pembrokeshire. Dort wurden Belege gefunden, dass die Steine dort vor ca. 5000 Jahren gebrochen wurden — und dann offenbar zur Hälfte stehen gelassen wurden, als das Projekt (möglicherweise ein früheres Monument an einem anderen Ort) aufgegeben wurde.

Die Transportfrage ist nicht abschließend gelöst: Über Land, über See, oder eine Kombination? Floßtransport entlang der walisischen Küste und dann den Avon-Kanal hoch gilt als plausibelste Route, aber der Nachweis bleibt indirekt.

Stonehenge als Totenreich

Die neue Interpretation, die Parker Pearson und sein "Stonehenge Riverside Project" (2003–2009) entwickelt haben, sieht Stonehenge nicht primär als astronomische Anlage, sondern als Totenreich-Heiligtum: ein Ort für die Toten, verbunden durch die Avon und eine Prozessionsroute (Cursus) mit dem Lebenden- Monument Durrington Walls (2 km entfernt, Holzpfostensystem, Ort der Lebenden und Festmahlzeit).

Die Kremationsüberreste von über 60 Individuen in den Aubrey Holes belegen, dass Stonehenge über Jahrhunderte als Begräbnisstätte diente. Isotopen-Analysen der Kremationsreste zeigen, dass einige Menschen aus dem Westen Britanniens (Wales) stammten — möglicherweise mit den Blausteinquellen assoziiert.

Das Stonehenge Hidden Landscapes Project

Das Stonehenge Hidden Landscapes Project (2011–2014) kartierte mit GPR, Magnetometrie und anderen Methoden über 12 km² rund um Stonehenge. Ergebnis: mindestens 17 bisher unbekannte Monumente und eine dramatisch komplexere Landschaft als bekannt. Darunter: ein begrabenes Henge-Monument direkt neben dem Cursus, eine mögliche neue Prozessionsroute und Strukturen, die die Nutzung des Areals über Jahrtausende zeigen.

Kontext und Zugang

Stonehenge ist UNESCO-Welterbestätte (zusammen mit Avebury) seit 1986. Der Zugang zum Steinkreis ist seit den 1970er Jahren eingeschränkt — nur zu Sonnenwenden-Veranstaltungen und mit Sondererlaubnis kann man den Steinen nahe kommen. Das 2013 eröffnete Visitor Centre von English Heritage bietet hervorragenden musealen Kontext. Eine Straßenverlegung, die den hässlichen Parkplatz direkt neben dem Monument beseitigt, ist seit Jahrzehnten debattiert und 2023 begonnen worden.

Auf der Karte erkunden

Stonehenge ist auf der interaktiven Karte eingetragen und kann zusammen mit Avebury, Silbury Hill und West Kennet Long Barrow als Teil einer prähistorischen Rituallandschaft erkundet werden.

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